Prototypische Erlebnisberichte:

Haben Sie sich auch schon mal so gefühlt? Viele von uns erleben immer wieder solche Zustände (die klinischen Diagnosen sind fettgedruckt):

Sie fühlen sich gar nicht gut. Ihre ansonsten vertraute Grundbefindlichkeit bzw. das Lebensgefühl, das Sie in besseren Zeiten wie selbstverständlich zu Ihnen gehörend erleben, ist qualitativ beeinträchtigt. Sie sind sich Ihrer Gefühle nicht mehr sicher. Sie fühlen sich dünnhäutiger. Reagieren auf Kleinigkeiten mit nervöser Anspannung. Alles wächst Ihnen über den Kopf. Möglicherweise fühlen sich Ihre Stimmungen chaotisch an. Mal sind Sie guter Dinge, um sich danach wieder deprimiert zu fühlen. Manchmal fühlt es sich so an, als ob Sie die Kontrolle über Ihre Stimmungen verlieren würden, weil die sich wie automatisch in Hochs und Tiefs (auf und ab) bewegen.

Ihre Lebensumstände sind vielleicht geprägt durch zwischenmenschliche Konflikte, die intensiver sind als auch schon. Andere reagieren gereizter, ja fast feindselig auf Sie. Sie vermeiden soziale Kontakte, gehen lieber auf Distanz. Mit Wut im Bauch lässt man Sie alleine zurück. Sie fühlen sich unverstanden, unfair behandelt. Vielleicht mag man Sie nicht mehr. Warum dieses Misstrauen, liegt es mehr an Ihnen oder den anderen. Durch Selbstzweifel geplagt, hinterfragen Sie sich ständig. Sie können nur schwer von Ihrem sorgenvollen Grübeln („werweisseln“) abschalten. Sie nehmen alles so schwer sagen andere. Am Ende laden Sie die Schuld auf sich und schämen sich dafür. Oder Sie geben die ganze Schuld den anderen.

Selten oder immer wieder erleben Sie solche Zustände. Trotz guter Ratschläge anderer und eigener Absichten es das nächste Mal besser machen zu wollen. Und wenn Sie bemüht sind sich besser anzupassen oder unter Umständen sogar Ihr Verhalten unterdrücken, werden Sie noch ängstlicher und verunsicherter und bestehen weiterhin auf Ihr alt bewährtes, ja "stures" Verhalten. Und dies ist Ihnen oft gar nicht bewusst. Zwischendurch kann es Ihnen für längere Zeit ganz gut gehen. Vertraute Probleme mit Nähe oder sich emotional auf jemanden einzulassen, sei es als Partner oder Kollege, treten deutlich in den Hintergrund. Sie sind wieder im Besitz Ihres guten Selbstvertrauens. Oder Sie scheinen sich mit Ihrem seit Kindheit vermindertem Selbstvertrauen arrangiert zu haben. Auch Ihre liebe Mühe, sich für Ihre Bedürfnisse durchzusetzen, ist nicht mehr im Vordergrund. Als ob Sie alles vergessen haben sind Sie wieder recht guter Dinge. Trotz einer unterschwelligen allgemeinen Lebensunzufriedenheit.

Solche Szenarien oder Erlebenszustände könnten Ausdruck einer neurotischen Problematik oder einer Neurotischen Störung sein. Die neurotische Störung wird oft von klinischen Aengsten und depressiven Verstimmungen, Depressionen, Erschöpfungszuständen, Hemmungen sowie körperlichen bzw. psychosomatischen Beschwerden begleitet.

Und es bannt sich wieder etwas an. Als ob Sie es vorausgeahnt hätten, geraten Sie erneut in eine konflikthafte zwischenmenschliche Situation. Es kommen wieder Gefühle hoch, die Ihre Befindlichkeit dominieren. Dünnhäutigkeit, Misstrauen, Wut, erhöhte Aengstlichkeit, Stress, u.s.w., wie oben beschrieben. Sie geraten in die nächste Krise, die Sie schon immer irgendwie heimlich befürchteten.

Sie sind zwar immer noch im Besitze Ihrer Kräfte und manchmal auch erstaunlichen Fähigkeiten: Sie halten weiterhin an Ihren hohen Ansprüchen fest, was ja auch durchaus berechtigt ist. Mit Perfektionismus und Verausgabungstendenz manövrieren Sie sich jedoch langsam aber sicher in eine berufliche Krise bzw. Ueberlastungssituation hinein. In der Hoffnung, dass es besser wird, reissen Sie sich noch mehr zusammen und stürzen sich noch mehr in die Leistungsspirale der Arbeit hinein, Privates noch mehr vernachlässigend. Die eingeforderten Erholungszeiten werden länger, bis sie gar nichts mehr nützen. Gemäss gut gemeintem Rat der anderen müssen Sie sich besser abgrenzen und nicht noch mehr Aufgaben übernehmen. Die anderen sind egoistisch. Sie fühlen sich nicht mehr verstanden. Ihre Leistungen werden entgegen Ihrer Erwartungen gar nicht gewürdigt. Frust und Zynismus kommunizieren Sie sogar offen weiter, obwohl es nicht Ihre Art ist. Bis es zu einem Zusammenbruch kommt, das totale Ausbrennen, Erschöpfungszustand der Seele und des Körpers. Sie müssen wegen eines Burnouts und oder Depression krank geschrieben werden.

Sie kommen früh morgens nur schwer aus dem Bett. Sie fühlen sich unausgeschlafen und haben das Gefühl, die Nacht durchgeträumt zu haben. Frische und Schwung, die Ihre Lebendigkeit ausgemacht haben, sind nicht mehr da. Gegen Abend spüren Sie eventuell eine leichte Aufhellung Ihrer Stimmung und folglich eine Art zuversichtliche Erleichterung. Sie fühlen sich sogar recht gut. Bis Sie enttäuscht feststellen müssen, dass Sie sich morgens schon wieder müde und schlapp fühlen. Routineangelegenheiten oder besonders wichtige Verpflichtungen (z.B. zur Arbeit zu gehen, Leistungsdruck, soziale Verpflichtungen) kosten Ihnen mehr Energieaufwand bzw. Ueberwindung. Auch Entscheidungen zu fällen kostet Ihnen Ueberwindung. Einem "Schwätzchen" mit anderen gehen Sie lieber aus dem Weg. So wirkliche Lust oder Freude bereiten Ihnen nur noch wenige Dinge im Leben. Immer öfter schieben Sie Erledigungen hinaus. Die "To do"-Stapel bewegen sich nach oben. Kleinere Aktivitäten ermüden Sie. Auf sportliche Aktivitäten haben Sie schon lange keine Lust mehr. Hier zeichnet sich eine depressive Entwicklung ab.

Vielleicht stecken Sie in Grüblereien fest. Die negativen und pessimistischen Gedanken können Sie nicht abschalten, weil sie sich automatisch einschalten und zu keinen konkreten Lösungen bzw. zu keinem Abschluss führen. Ihr Gedankenkreisen beschäftigt sich oft mit der Vergangenheit und ist geprägt durch strenge, selbstkritische Anschuldigungen, Selbstvorwürfen, z.B. versagt zu haben. Entsprechend ist Ihr Selbstwertgefühl angeschlagen, alle anderen sind leistungsfähiger. Sie sind nicht bei der Sache, haben Mühe zuzuhören, sind vergesslich. Sie sind gereizter, fühlen sich angespannt-nervös. Vielleicht fühlen Sie sich durch diese innere Unruhe wie blockiert. Oder Sie fühlen sich innerlich leer, gefühllos und schwer, als ob der Körper eine schwere Last tragen müsste. Sie waren früher leistungsfähig, vital, anpackend, in manchen Momenten schöpferisch. Nun fühlen Sie sich festgefahren, ausgebremst vom Leben, ohne Ziele. Die Zeit scheint langsamer zu vergehen. Solche Gefühlszustande können sehr verunsichern, vor allem wenn sie einem nicht vertraut sind. Man erlebt sie bei vollem Bewusstsein. Solche Zustände können durchaus noch normal sein. Sie können aber auch auf leichtere Depressionen hinweisen, die Menschen mit eher „schwernehmerischer“ (neurotischer) Natur, haben (siehe oben). Wenn diese anhalten und quälen, das heisst sich jeden Tag wiederholen, Leidensdruck erzeugen oder sich episodisch wiederholen, dann weisen sie auf eine klinisch nennenswerte Depression (Schwermut) hin.

Vielleicht erleben Sie manchmal vorübergehende Angstzustände (Panikattacken). Zu Beginn oft, ohne die Angst wirklich „bewusst“ zu spüren. Dafür erleben Sie körperliche Symptome, die Sie noch nie so intensiv gespürt haben: Bedrohliches Herzklopfen, Herzrasen, Schweissausbrüche, Hitzegefühle, Uebelkeit und Bauchschmerzen, Schwindel, Gefühle keine Luft zu bekommen, Gefühle in Ohnmacht zu fallen, u.s.w. Dieses unerwartet, wie aus dem Nichts. Sie sind zutiefst verunsichert, falls es das erstemal ist. Solche Aengste erleben Sie an Orten mit vielen Menschen (Konzert, Kino, Zug, Bus, Lift, Flugzeug,…) und/oder in engen, schlecht gelüfteten Räumen. Oder im Verkehrsstau, in Warteschlangen. Ueberall dort, wo Ihnen ein Vorwärtskommen, eine Flucht bzw. das Verlassen der Situation verunmöglicht wird. Sie glauben, in der Falle zu stecken und vor den beschämenden Augen der anderen ohnmächtig liegen zu bleiben. Konsequenterweise vermeiden Sie zunehmend solche Orte, aus Angst vor dem erneuten Auftreten solcher Aengste, sogenannter Panikattacken. Folglich wird Ihr Aktionsradius kleiner und kleiner bis Sie sich alleine nicht mehr aus der Wohnung getrauen. Solche agoraphobischen Aengste manifestieren sich oft vor dem Hintergrund konflikthafter zwischenmenschlicher Beziehungen, die einem gar nicht so bewusst sein müssen. Vielleicht fällt es Ihnen schwer, selbstsicher zu reden und ihre Meinung zu vertreten und drücken sich lieber vor sozialen Drucksituationen (Vorträge halten, freies Reden, Diskussionen). Unsicherheit und Angstsymptome (z.B. Zittern, Stottern, veränderte Stimme, u.s.w.) könnten von anderen bemerkt werden. Die Erwartung von Kritik und peinlicher Abwertung ist Ihnen ein Graus. Die Anwesenheit von Autoritätspersonen (Vorgesetzte, Lehrer, u.s.w.) macht es nicht einfacher. Sie könnten sich blamieren und dann erst recht kein Wort mehr über die Lippen bringen, weil die Gedanken wie blockiert und leer sind (black out) und ein klares Denken völlig unmöglich ist. Diese soziophobischen Aensgte sind mögliche Hinweise für eine klinisch nennenswerte soziale Phobie.


Dr. med. Béla Tar

Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. med. Béla Tar
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Tel. 079 753 98 76
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Weiterbildungstitel

Praktischer Arzt / Praktische Ärztin, 2002

Fortbildungs-Diplom/-Bestätigung

Psychiatrie und Psychotherapie (2018-2020)

Spezielle Hinweise

Sprechstunden nach telefonischer Vereinbarung. Sie erreichen mich via Mobilnummer (Telefonbeantworter).

 

Letzte Änderung am 29.01.2020


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